Jazz – unser Greyhound

Ich habe sie gefunden. Ich habe gesucht, und sie hat mich gefunden.

Wie alles begann …

Im September 2014 hatten mein Mann und ich beschlossen einen Hund als neues Familienmitglied in unsere Familie aufzunehmen. Die ganze Geschichte findet ihr hier.
Am Anfang schauten wir uns verschiedene Hunderassen an, ich erwog einen Hund vom Tierheim, mein Mann wollte lieber einen Rassehund haben. Am Ende entschlossen wir uns für einen Greyhound. Warum auch dein nächster Hund ein Greyhound werden sollte, kannst du hier nachlesen. Wir lernten den tollen Verein Greyhound, Streuner und Co kennen, die sich für die Rettung von irischen Greyhounds einsetzen. Und wir lernten unsere ersten echten Greyhounds kennen. Das war im Herbst 2015.

Und bei vielen dieser Besuche lernten wir tolle, sanfte, hübsche, verschmuste Hunde kennen. Und ich war sicher, dass wir ab Mai problemlos unseren Hund darunter finden würden. Und dann kam der Tag an dem ich die Leine von Jazz in der Hand hielt…

Jazz „die“ Greyhound

Jazz ist eine sehr hübsche Maus mit ihrem grauen Fell und ihren goldenen Augen. Und ich fand sie vom ersten Moment an interessant. Aber sie interessierte sich nicht für mich. Sie zog ganz furchtbar an der Leine und zerrte mich über die Wiese. Ich fand das furchtbar. Innerlich war ich ganz erleichtert, da ich sie zwar hübsch fand, aber damit war sie kein Hund für mich. Meine Mutter soll schließlich in der Lage sein mit dem Hund spazieren zu gehen, und da sie mich fast von den Beinen zog, wollte ich das meiner Mutter nicht antun.

Jetzt wo ich sie besser kenne, weiß ich, dass sie einfach furchtbar ängstlich war. Das ist ihre Art mit Angst umzugehen. Andere Hunde machen sich klein, verharren und versuchen sich in eine Ecke zu drücken. Sie war erst frisch aus Irland angekommen in eine vollkommen neue Situation und verstand nicht, was man von ihr erwartete. Sie kannte Spazieren gehen noch nicht, sie kannte nur Rennen. Sie hatte Angst, weil sie nicht wusste, was von ihr als „Haustier“ erwartet wurde.

Nach einer halben Stunde über die Wiese gezerre, beruhigte sie sich für einen Moment und hielt inne. Ich wollte den Moment nutzen, mich richtig bei ihr vorzustellen und sie etwas zu beruhigen. Ich kniete mich zu ihr herunter und hielt ihr meine Hand hin. Sie schnupperte daran und schaute mir in die Augen. Es war als würde sie mich da zum ersten Mal richtig wahrnehmen. Und ich sie. Wir blicken einander in die Seelen und erkannten einander.
Von diesem Moment an gab es ein Band zwischen uns. Ich streichelte sie, sie legte ihren Kopf auf meine Schulter und schleckte mir über das Gesicht. Selbst später als sie von der Leine war, kam sie immer wieder zu mir und blickte mich mit ihren goldenen Augen als wollte sie mich bitten, sie zu lieben.
Und mein Herz war dahin …

Kein Happy End für Jazz und mich

Doch so einfach ist die Welt nicht. Manchmal ist das Timing einfach gegen einen. Das Haus ist noch nicht fertig. Der Hund sollte erst ab Mai kommen. Wir wollten das planerisch, vernünftig angehen. Die Voraussetzungen für den Hund waren noch nicht gegeben. Ich wollte vernünftig sein. Ich wollte nicht meine Gefühle über das Wohl des Hundes stellen. Der Zeitraum viel zu lang, nur um auf ein Frauchen zu warten, wenn es so viele andere gab.

Also gab ich sie frei. Ich sah sie nur dreimal. Dann war sie fort. Sie fand ein zu Hause. Ich war glücklich für sie. Aber es brach mir das Herz. Ich weiß noch, dass ich abends auf dem Sofa saß und an gebrochenen Herzen litt. Cara saß auf meinen Schoß. Sie kuschelt nicht gerne und springt normalerweise schon nach 5 Minuten davon. Aber sie saß eine halbe Stunde ganz ruhig bei mir, als hätte sie gespürt, wie unglücklich ich war.

Die Zeit verging, andere Hunde kamen. Graue und schwarze, Rüden und Hündinnen, sanfte und fröhliche, aber keiner konnte mein Herz berühren. Ich hatte Angst, dass ich nie wieder so mein Herz verlieren könnte, wie es mit ihr passiert war. Aber ich war trotzdem froh, dass ich aus Liebe das richtige für sie getan hatte.
Keine Angst, die Geschichte endet hier noch nicht.

Eine zweite Chance …

Die neue Besitzerin von Jazz war nicht glücklich. Es kann passieren, dass ein Hund und ein Mensch nicht zueinander passen. Das es einfach nicht funktioniert. Jazz Besitzerin wollte sie daher zurückgeben.

Ich schwankte zwischen Sorge und Freude. War alles mit ihr in Ordnung? Würde sie es gut verkraften ihr zu Hause und ihre gerade gewonnenen Bezugspersonen zu verlieren. Gab es vielleicht doch eine Chance für uns? Mein Umzug war deutlich näher gerückt. Die Zeit überbrückbarer…

Ich war nervös vor unserem ersten Wiedersehen. Ich hatte sie nur dreimal gesehen und es lagen Monate dazwischen. Mein Mann versuchte meine Erwartungen zu schmälern, um mich vor Enttäuschungen zu schützen. Die Chance dass sie mich wiedererkannte war zwar vorhanden, wenn auch gering, aber dass es ihr so viel bedeutete, wie mir, ging gegen Null. Sie hatte ein Frauchen gehabt, mich hingegen nur dreimal für ein paar Stunden gesehen.

Und doch war es wie beim ersten Mal. Ich sah sie, sie mich und sie rannte in meine Arme, ihr Kopf an meinen Oberkörper vergraben, als wolle sie sich ganz eng in mich hineindrücken. Ich glaube ganz fest daran, dass sie mich genauso sehr vermisst hatte, wie ich sie. Ich habe seitdem oft gesehen, wie sie andere begrüßt. Und sie begrüßt jeden. Sie ist halt eine Schmusemaus. Zu jedem rennt sie hin und schaut ihn freundlich mit ihren goldenen Augen an und holt sich ein paar Streicheleinheiten. Aber wenn sie mich begrüßt, ist es als würde sie sich am liebsten in meinen Schoß drücken und nie wieder fortgehen.

Sie schaut mich an, als wäre ich der wichtigste Mensch auf dieser Welt. Jeder Hundebesitzer oder –fan kann es wohl nachempfinden. Es ist ein Geschenk von einem Tier geliebt zu werden. Und ich kann nur hoffen, dieser Liebe immer wert zu sein. Sie hat die Rückkehr gut verkraftet. Sie ist und bleibt eine Frohnatur. Es ist als hätte sie ihre Zeit bei ihrer Besitzerin als einen Besuch abgehakt und jetzt ist sie wieder zu Hause.

Es sind jetzt nur noch ein paar Wochen, bis sie bei uns einzieht und ich habe Respekt vor der Verantwortung aber freue mich auf das Leben mit ihr.

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