Das Städel in Frankfurt – eine Liebeserklärung

Städel

Kindheitserinnerungen

Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das erste Mal in meinem Leben im Städel war. Als Frankfurter führte mich bestimmt ein Klassenausflug in der Grundschule   dahin, gefolgt von vielen Malen danach. Ich kann mich also nicht daran erinnern, dass ich das Städel in einem besonderen Moment verbunden mit einer besonderen Erinnerung entdeckt hätte. Es war schon immer da und hat mich schon immer begleitet und mein Verständnis von Kunst und meine persönliche kreative Entwicklung gefördert.

Ich bin kein Künstler und werde nie über ein amateurhaftes Interesse hinauskommen. Aber ich kann den Wert und die Bedeutung von Kunst bewerten, dank einer Kunstsammlung und Kunstpräsentation, die sich auf Weltniveau bewegt.

Und so wie ich die unterschiedlichen Bereiche des Städel entdeckt habe, vom Mittelalter, über Renaissance und Impressionismus und Moderne, so hat sich mein Verständnis von Kunst und künstlerischem Ausdruck weiterentwickelt. Und bis zum heutigen Tag genießt das Städel ein ausdrücklich hohes Ansehen, einen ganz besonderen Platz.

Das Städel

Das Städtische Kunstinstitut und Kunstsammlung ist ursprünglich aus dem Nachlass des Bankiers und Gewürzhändlers Johann Friedrich Städel entstanden. Er überließ darin 1816 der damit gegründeten Kunststiftung seine Kunstsammlung, ein Haus am Rossmarkt und ein Vermögen. Nachdem der Testamentsstreit beigelegt war, konnte die Stiftung anfangen ihre Arbeit aufzunehmen.

Hier kommt ihr direkt auf die Website.

Das ist das besondere in Frankfurt. Etwas worauf jeder Frankfurter ob einheimisch oder zugezogen stolz sei kann. Frankfurt war immer eine freie Stadt. Zumindest mit Überlassung der Stadtrechte durch Karl den Großen auch schriftlich verbürgt. Einer alten Legende nach hat er die Stadt auch gegründet. Archeologische Funde rund um den Römer lassen vermuten, dass dieser Standort direkt am Fluss schon immer besiedelt war. Wie auch immer …

Frankfurt stand nie unter der Vorherrschaft eines Fürsten, Herzogs oder so ähnlich. Es war eine Stadt mit freien Bürger. Damit fiel es aber auch an die Bürger die kulturelle und soziale Entwicklung der Stadt voranzubringen. Und insbesondere die Kunstsammlung bewegt sich auf Weltniveau. Wenn man sich vor Augen hält, dass dies aus den Leistungen einzelner, wenn auch vermögender Familien, hervorgegangen ist, ist das zutiefst beeindruckend. Diese außergewöhnliche Leistung ist der Ausdruck des Stolzes dieser Frankfurter Bürger und ich bin stolz ein Frankfurter zu sein (bzw. gewesen zu sein. Ich bin ja nun ein stolzer Bewohner des Hochtaunus.)

Die Städel Sammlung – ein Besuch wird dringend empfohlen

Falls du also noch nie im Städel warst, empfehle ich dir dringend den Besuch. Am besten jetzt sofort. Jetzt ! Nein, wirklich hör auf den Artikel zu lesen und renn ins Städel. Mittlerweile kann man sich sogar mit Hilfe seines Handys und der entsprechenden App von einer angenehmen Schauspieler Stimme durch die Ausstellung führen lassen.

Falls du schon lange nicht mehr da warst. Solltest du ebenfalls dringend mal wieder hingehen und dir insbesondere die Sammlung der Moderne anschauen.

In den Tagen meiner Kindheit endete die Kunstgeschichte mit Max Beck. Nun gibt es Bilder von Richter und anderen zu bestaunen.

Und das ist für mich unglaublich amüsant.

Ich entdecke die Kunst wie ich das Städel erkunde. Am Anfang war da die religiösen Ikonen-Bilder, die mich immer zutiefst beeindruckt haben. Dann kamen die großen Maler der Renaissance. Ich habe Stunden vor den Porträt reicher Damen des italienischen Hochadels verbracht oder dem weiblichen Idealbildnis von Botticelli. Ich werde nie vergessen, wie ich Monet entdeckte und selbst in meiner jugendlichen Naivität vollkommen fasziniert vor dem Monet Bild stand. Und dann kam irgendwann der Expressionismus. Das war ungefähr die Zeit meines Abiturs, als ich eine Arbeit über die l’art pur l’art Bewegung schrieb. Ursprünglich war Kunst ein Handwerk. Erst mit den Erfindungen der Moderne z.B. der Fotografie musste die Kunst sich neu definieren. Kunst der Kunst wegen.

Kunst der Gegenwart als Herausforderung

Besonders schwer habe ich mich mit den Werken der Moderne getan. Das hat gedauert. Ein Besuch in New York mit einem deutlich didaktischeren Ansatz, wunderbare Kunstwerke in Capri, die einen amüsiert selbstironischen Ansatz verfolgen (Dicke Damen, die auf Fischen reiten 🙂 ) und viele Berichte über die großen Fashiondesigner unserer Gegenwart haben geholfen, mein Verständnis von Kunst zu erweitern.

Kunst ist heute überall und ein wichtiger Spiegel unserer Welt. Ich würde immer noch nicht behaupten, dass ich die Kunst der Moderne verstehe, aber ich habe endlich einen Bezug gefunden.

Und hier finde ich mich im Städel wieder. 2012 hat die untere Halle mit den Werken der Gegenwartskunst eröffnet.

Hier entdecke ich das Bild, dass ihr oben seht. Ich habe herzlich und furchtbar laut gelacht. Und ich muss jedes Mal lachen, wenn ich vorbei komme. Ok, ich geb zu, dass ich extra hinlaufe, wenn ich im Städel bin. Ich liebe dieses Bild.

Und ich liebe Kunst. Und ich liebe das Städel. 🙂

Tipps zum Städelbesuch

  • Es gibt tolle Führungen, die einem bekannte oder unbekannte Werke eröffnen. Das sind öffentliche Führungen, die bereits durch den Eintritt abgegolten sind. Diese sind abhängig von der jeweiligen Person, sehr sehr gut. Es macht es deutlich einfacher zu verstehen, weil diese Background Informationen vermitteln, die die Bilder in einen kunsthistorischen oder biographischen Kontext stellen
  • Der Eintritt beläuft sich auf 14 EUR. Hier könnt ihr Karten Online erwerben. Normalerweise, wenn ihr nicht gerade am WE geht oder zu besonders stark angefragten Ausstellungen , ist der Ticketerwerb direkt im Museum kein Problem
  • Dress Code: Ich empfehle Smart Casual. Ihr sollt euch wohl fühlen, aber man muss ja nicht in Jogging Hose durchs Museum laufen. Eigentlich sollte man überhaupt mit Jogging Hose nicht das Haus verlassen, es sei denn man geht zum Müll. Empfehlenswert ist eine kleine Handtasche/Clutch. Große Taschen müssen in die kostenlosen Schließfächer geschlossen werden. Wenn ich aus dem Büro kommen, ist mir das immer unangenehm all meine Wertsachen in den Schließfächern zurück zu lassen. Jacken können kostenlos an der Garderobe abgegeben werden. Es ist üblich 1-2 EUR als Trinkgeld den Garderobieren zu geben
  • Nehmt Zeit mit. Die Ausstellung ist riesig. Und es wäre schade, in einer Stunde durchrennen zu wollen. Man kann problemlos einen ganzen Tag im Museum verbringen ohne sich zu langweilen. Wobei nach zwei Stunden meine Aufmerksamkeit leidet
  • Ein anschließender Besuch im Holbeins ist ein perfekter Abschluss. Dazu schreibe ich bei Gelegenheit aber nochmal etwas separates 🙂

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