Über Timmy oder ein Greyhound Märchen

Greyhound

Once upon a time …

Am Anfang

Es war einmal ein Greyhound. Für einen Greyhound hatte er es gut getroffen. Er lebte Tag ein Tag aus im Zwinger mit seinem Zwingergefährten umgeben von unzähligen anderen Greyhounds in ihren Zwinger. Ab und zu nahm ihn sein Trainer aus seinem Käfig, damit er im Kreis rannte. Und wenn er das gut getan hatte. Bekam er für eine kurze Weile ein Stofftier zum Spielen. Er bekam zu Fressen. Er war aber trotzdem oft hungrig. Sein Trainer sagte oft, dass er auf seine Linie achten müsse. Das verstand er nicht. Aber im Großen und ganzen ging es ihm gut.

Jedoch eines Tages, aus einer Laune heraus, nahm ihn sein Trainer mit an einen fremden Ort. Es war ein großes Haus, mit vielen großen und kleinen Zweibeinern. Dort gab es ein großes Feuer vor dem eine weiche Decke lag auf die er sich legen durfte. Oh wie sehr er das kuschlig warme Gefühl genoss. Er bekam einen Knochen. Einen Knochen! An dem Knochen durfte er den ganzen Abend knabbern. So etwas leckeres hatte er noch nie gegessen. Und die kleinen Zweibeiner, der Greyhound verbrachte viel Zeit damit sich zu fragen, was das für Wesen wohl seien, streichelten und kuschelten ihn. Er genoss es sehr. Und selbst sein Trainer gab ihm ein liebevolles Tätscheln auf seinen Kopf.

Den ganzen Abend, während er genüsslich seinen Knochen knabbert, beobachtete er den Trainer, wie er sich einen großen Tisch setzte und ass, wie er sich später zu ihm ans Feuer setzte und freundlich auf ihn einredet. Später als das Feuer erlosch und es dunkel und ruhig in dem großen Haus wurde, deckte er ihn zu und gab ihm en Kuscheltier. Der Greyhound wusste vor lauter Glück gar nicht wohin mit sich.

Das Greyhound Märchen

Am nächsten Tag nahm ihm der Trainer wieder zurück in seinen Zwinger. Und dort erzählte er all den anderen Greyhounds von dem wundersamen Ort an dem er gewesen sei. Wie kuschlig warm es dort war, wie schön es gewesen sei so nah an den Zweibeinern dran zu sein, von ihnen gestreichelt zu werden und selbst von dem seltsamen kleinen Zweibeinern erzählte er.

Die anderen Greyhounds hörten ganz verwundert und fasziniert zu, sodass der Greyhound die Geschichte ganz oft wiederholen musste und irgendwann musste er sie jeden Abend erzählen, weil die anderen Greyhounds sie so gerne hörten. Und nach einer Weile erzählten die Mütter es ihren Welpen als Gute-Nacht-Geschichte, dass wenn sie ganz artig wären, sie an diesem wunderbaren Ort gehen durften. Mit der Zeit wurde aus der Geschichte eine Legende und aus der Legende ein Märchen. Das Märchen der Greyhounds, das jeder Greyhound vom Welpenalter kannte. Und jeder Greyhound hofft darauf, dass dieses Märchen eines Tages wahr wird.

Diese Geschichte habe nicht ich mir ausgedacht. Der Ruhm gebührt einzig allein Cynthia Branigan. (Falls euch das Thema interessiert, sie hat ein hervorragendes Buch geschrieben, was es bedeutet einen ex-racer zu adoptieren.) Ich gebe sie hier an dieser Stelle nur mit meinen Worten wieder, weil ich sie so schön finde. Und weil ich an das Märchen denken muss, wenn ich meinen Hund beim Schlafen auf seiner Decke sehe.

Über Timmy

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Ob mein Greyhound Timmy die Geschichte kennt? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass mein Mann in seine dunkelbraunen Augen mit dem Ich-bin-so-ein-armes-Hascherl-Blick sah und sein Herz verlor. Zu Anfang, war ich nicht so begeistert einen zweiten Hund zu mir zu nehmen. Aber wie konnte ich ihm verwehren, was ich gleichermaßen wollte. Also haben wir nun zwei Hunde…

Bei Timmy hat man das Gefühl, dass er sich jeden Morgen aufs neue freut, dass sein Greyhound Märchen wahr geworden ist. Jeden Morgen steht er am Bett, schwanzwedelnd, die Augen voller Freude als würde er gleich ins Bett gesprungen kommen.

Als er zu uns kam, war er so verschlossen und in sich gekehrt. Streicheln kannte er gar nicht. Mittlerweile kann er nicht genug bekommen und legt seine Pfote besitzergreifend auf einen, um einen zu bedeuten, dass man ja nicht auf die Idee kommen soll mit dem Streicheln jemals wieder aufhören zu wollen.

Die Welt ist so neu für ihn. Er möchte Spielen und weiß gar nicht recht wie. Als ich ihm zum ersten Mal einen Ball zuwarf, rannte er voller Schrecken davon. Er braucht viel Bestätigung und Zuneigung. Und wenn er einen offenen Kofferraum sieht, muss man aufpassen, dass er nicht hineinspringt, so verzweifelt möchte er sicherstellen, dass er nicht zurückgelassen oder vergessen wird. Er liebt sein rosa Schweinchen und er liebt uns mit einer Inbrunst und Treue, dass es mich jeden Tag aufs neue beeindruckt.

Mit Mühe habe ich Timmy ein paar Kilos mehr auf die Rippen gefüttert. Und ich arbeite hart daran mir sein Vertrauen zu verdienen. Manchmal wenn er aufgrund einer schnellen Bewegung von mir wegzuckt, frage ich mich, wie sein Leben so gewesen sein muss. Was hat er erlebt oder was hat er nicht erlebt?

Ich hoffe, dass das Greyhound Märchen für Timmy nun wahr geworden ist. Für mich ist es.

P.S: Und warum auch du, darüber nachdenken solltest, einen Greyhound als Haustier aufzunehmen, kannst du hier nachlesen …

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