Warum Frühjahrsputz oder die Konmarie Methode

Die Tradition des Frühjahrsputz

Die jährliche Grundreinigung, der Frühjahrsputz, einmal im Jahr folgt einer langen Tradition. Und es ist kein Zufall, dass dieser Vorgang genau in den Frühling fällt. Wahrscheinlich kommt diese Tradition aus einer Zeit wo noch mit Kohleöfen geheizt wurde und nach einem langen Winter die Räume entsprechend verrußt waren.

Aber für mich hat der Frühjahrsputz nicht nur etwas mit Sauber machen zu tun, sondern an sich mal wieder kritisch nicht nur den eigenen Hausstand sondern auch den Status Quo zu hinterfragen.

Ein Jahr geht schnell vorbei. Der Alltag hat uns voll im Griff. Und oft hinterfragen wir gar nicht, warum wir Dinge überhaupt so tun, wie wir es tun. Der Frühjahrsputz ist also nicht nur eine gute Gelegenheit mal den Kühlschrank hervor zu schieben und zwischen den bösen Schmudelecken sauber zu machen oder den Kleiderschrank zu entmisten, sondern auch auf Routinen und das Leben zu schauen.

Von der Magie des Aufräumens

Ich habe vor zwei Jahren bevor wir in unser neues Haus gezogen sind, ausgemistet. Es war nur logisch, mal kritisch den eigenen Hausstand zu prüfen und sich zu fragen, was man mitnehmen möchte oder nicht. Gerade mit dem Wissen, dass man ja, wenn alles gut geht, für den Rest seines Lebens in seinem Haus leben möchte, kann man sich von Dingen trennen, die man für den eventuellen Fall augehoben hat. Insbesondere ein paar Ikea-Möbel, die ich schon in meiner Studentenzeit hatte, haben ihren wolverdienten Ruhestand angetreten. Nach den vielen Jahren, in denen ich sie in der Nutzung hatte, konnte ich mich ohne schlechtes Gewissen trennen.

Und darum geht es auch. Es geht darum sich ohne schlechtes Gewissen von Dingen zu trennen. Die bittere Wahrheit ist doch, man hebt Dinge aus den falschen Gründen auf.

In diesem Zusammenhang möchte ich euch ein Buch ans Herz legen. Es ist sicherlich kein Geheimtipp mehr, ich habe es schon vor zwei Jahren gelesen und fand es sehr hilfreich.

Marie Kondo, eine japanische Organisation-Beraterin, hat ein wunderbar einfaches gut lesbares Buch über die Magie des Aufräumens geschrieben. (Ich habe euch hier mal den Amazon Link hinterlegt.) Und es geht in dem Buch nicht nur um das tägliche Aufräumen, sondern auch um das Entrümpeln als solches.

Das spannende ist, sie verspricht einem, dass man leichter und glücklicher lebt und dass man insgesamt ein erfolgreicheres Leben hat. Also die Magie des Aufräumens.

Sie fordert den Leser sogar bewusst auf, erstmal zu definieren, was für ein Idealleben man haben möchte. Und das Aufräumen oder Entrümpeln würde einem helfen genau dieses Idealbild zu erreichen.

Der Frühjahrsputz ist die perfekte Gelegenheit dafür! Und ich kann aus persönlicher Erfahrung bestätigen, dass tatsächlich was daran ist.

Meine 3 Keylearnings aus dem Marie Kondo-Buch

Gehe nicht Raum für Raum durch sondern, thematisch.

Denn man stellt dann mit Erstaunen fest, wo alles sich gleiche Dinge sammeln. Z.B. bei uns liegen Büromaterialien einmal im Arbeitszimmer und im Sekretär, der im Flur steht. Warum eigentlich? Und wenn man die Räume einzeln betrachtet, fällt nie auf, dass viele Dinge doppelt besitzt. Worfür genau brauche ich drei Tacker, wovon einer noch nicht mal funktioniert?

Folgende Reihenfolge wird übrigens nach der „Konmarie“-Methode empfohlen:

  • Bücher
  • Kleidung
  • Papier
  • Sonstiges

Ich glaube aber, dass man selber schauen muss, welche Reihenfolge für einen den meisten Sinn macht. Bücher haben für mich den größten emotionalen Stellenwert. Folglich war es für mich nicht so geschickt, mit Büchern anzufangen. Ich hab in der ersten Runde genau drei Bücher ausgemistet und dann beschlossen, dass es sich nicht lohnt und selbst diese drei wieder zurück ins Regal gestellt.

Trenne dich von allem, was dich nicht glücklich macht.

Dieser Satz hat am meisten meine Einstellung verändert. Daruch haben viele meiner Fehleinkäufe endlich ihren Weg in die Mülltonne gefunden! Der Fehlkauf war schlimm genug, das Geld ist unnötig ausgegeben. Es wird nur nicht besser, in dem es auch noch über Jahre Regal- oder Schrankfläche für sich beansprucht. Oder endlich die Entscheidung mich von der Hälfte meiner Klamotten zu verabschieden. Die Größe 34, die ich wohl mal mit 20 gehabt haben muss (ich kanns kaum selbst glauben) werde ich nie wieder erreichen. Ja, da sind ein paar echt hübsche und auch immer noch gute Designerteile dabei, die ich mir damals mit meinem ersten selbstverdienten Geld gekauft habe. Aber ich werde das Zeug nie wieder tragen.

Oder das Geschenk der lieben Tante, die man nicht beleidigen möchte, aber deren Geschmack so gar nicht dem eigenen entspricht. Es hilft niemanden, auch nicht der lieben Tante, wenn man jedes Mal innerlich zusammenkrampft, wenn man daran vorbei läuft. Also weg damit.

Um übrigens festzustellen, ob etwas glücklich macht, soll man jedes einzelne Teil in die Hand nehmen. Ja, plant Zeit ein. Aber es macht schon Sinn, um sicherzustellen, dass ihr zu jedem einzelnen Teil eine bewusste Entscheidung trefft.

Ziehe es durch

Auch das ist eine wesentliche Erkenntnis. Nicht ein bißchen hier mal und bißchen dort mal aufzuräumen. Nein, zieht es einmal richtig durch. Das heißt nicht, dass das Aufräum-Projekt an einem Wochenende abgeschlossen sein muss, aber definiert einen festen Zeitraum, z. B. 3 Monate, und dann zieht das Projekt durch. Das ist wichtig!

Ich glaube, man braucht einmal diesen Zielzustand, um von dort aus alles im Griff zu haben.

Weniger ist mehr – das gute Geühl wenig zu besitzen

Nachdem ich mein Entrümpel-Projekt durchgezogen hatte, stelle ich plötzlich fest, dass ich mich leichter, befreiter fühlte. Ich hatte nicht mehr die morgendlichen Stressanfälle vor einem vollen Kleiderschrank zu stehen und nicht zu wissen, was ich anziehen soll. Ich fand mit Leichtigkeit Klamotten zum Anziehen, obwohl weniger drin war. Aber dafür war jedes Teil ein Lieblings-Teil und damit gab es einfach keine Fehlgriffe am Morgen mehr.

Und dieses Gefühl zog sich durch die ganze Wohnung. Alles was ich brauchte und liebte war noch immer noch da! Aber der Ballast war weg, sowohl der materielle als auch der emotionale!

Und noch ein Gefühl stellte sich erstaunlicherweise ein. Wenn ich jetzt shoppen ging, wurde ich sehr viel wählerischer und viel bedachter. Wenn mein gesamter Besitz aus Liebslingsteilen besteht, muss alles, was neu dazu kommt, diesem Anspruch genügen.

Ich blicke jetzt mit zwei Jahren Abstand auf mein Konmarie-Projekt. Vieles hat sich erhalten, insbesondere meine Schubladen sind dank ihrem „Aufstell-Trick“ viel effizienter (Lest das Buch!).

Entrümpeln auch der Seele

Und was man im Rahmen des Frühjahrsputzes mit seinem Hausstand am Anfang des Jahres machen kann, kann man auch mit seiner Seele machen. Gerade der Jahresstart bietet sich an, selbstkritisch auf sich selbst zu blicken und sich zu fragen, habe ich eigentlich gute Gewohnheiten, gute Freunde, ein gutes Leben.

Die zentrale Frage ist auch hier, wer möchte ich eigentlich sein? Uns was für Gewohnheiten brauche ich, damit ich dieser Mensch bin?

Mich ganz persönlich treibt gar nicht so sehr an, irgendwer zu sein, ich möchte glücklich sein und mein Leben genießen. Also muss ich mich immerzu selbstkritisch fragen, was macht mich eigentlich glücklich? Und mit diesen Dingen, mit diesen Menschen und mit diesen Hobbies und Themen muss ich mich umgeben.

PS: Anfang des Jahres hab sogar ich es geschafft mich von mehreren Kisten Büchern zu trennen. Und ich glaube, ich nutze den Frühjahrsputz dieses Jahr auch wieder zum Entrümpeln. Gerade der Keller ist umzugsbedingt noch so ein schwarzes Loch. 🙂

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